Lutz Kunath ist nach 25 Jahren an der Spitze des Versorgungsverbandes Grimma-Geithain in den Ruhestand gegangen / Kerstin Härtel übernimmt die Geschäftsführung
Die Pflicht endet am 31. Dezember. Im Januar hat für Lutz Kunath die Kür begonnen. Wie lange der Geschäftsführer des Versorgungsverbandes Grimma-Geithain (VVGG) allerdings noch im Einsatz sein wird, um seine Nachfolgerin in der Einarbeitungsphase zu unterstützen, ist offen. „Längstens bis zum 30. Juni 2026“, zitiert er den entsprechenden Beschluss der Verbandsversammlung. Der 66-Jährige lässt das auf sich zukommen, wie er sagt. Pläne für die Zeit danach habe er noch nicht.
In dieser Woche hatte Kerstin Härtel ihren ersten Arbeitstag als Verbandsgeschäftsführerin Zuletzt leitete sie die Niederlassung der Veolia Wasser Deutschland GmbH in Grimma. Veolia ist bereits seit 1999 technischer und kaufmännischer Betriebsführer des VVGG. „Die Expertise von außen hat uns damals und heute sehr geholfen“, erklärt Lutz Kunath. Denn dem 1994 gegründeten Verband sei es nicht immer gut gegangen.

Lutz Kunath, der zum Jahreswechsel in den Ruhestand gegangen ist, hatte am 16. Oktober 2000 seinen ersten Tag als Verbandsgeschäftsführer. Doch: „Ich habe zwei Leben“, deutet er an. Der Ingenieur für Landtechnik und Maschinenbau war von 1984 an zehn Jahre lang Bürgermeister des damals 600 Einwohner zählenden Ortes Erlbach im Landkreis Rochlitz. Nach der Wende begann er, noch einmal zu studieren und widmete sich den Verwaltungswissenschaften. 1993 fing er beim Innenministerium des Freistaates Sachsen an. „Damals war die gesamte Kommunalverwaltung im Aufbau begriffen. Wir waren ein Team von mehreren Leuten, das die Verantwortlichen in den Städten und Gemeinden in Sachen Kommunalrecht beraten hat.“ Lutz Kunath überschreibt diese Phase seines Berufslebens mit „learning by doing“. Er sei zwischen Plauen und Hoyerswerda viel unterwegs gewesen. Das Gute daran: „Man hat gesehen, dass man wirklich helfen konnte.“
1995 endete die Arbeit des Beratungsteams und Lutz Kunath ging nach Falkenhain (heute Lossatal), wo er die Finanzverwaltung und später auch das Bauamt des Verwaltungsverbandes für fünf Gemeinden leitete. Eine gute Kombination, wie er im Nachhinein findet. Denn damals sei nicht nur viel gebaut worden, es habe auch noch jede Menge Fördermittel gegeben.
Schließlich wechselte er – um sich neuen Herausforderungen zu stellen, wie er heute sagt – im Oktober vor 25 Jahren zum VVGG. Ein Verband, der vom Freistaat Sachsen seinerzeit offiziell als notleidend eingestuft wurde. Der Investitionsstau sei riesig gewesen, kostendeckende Gebühren habe es nicht gegeben. Und die Sächsische Aufbaubank, unter deren Obhut man gestanden habe, forderte ein Haushaltssicherungskonzept, um den Verband zu sanieren. In der Privatwirtschaft, vergleicht Lutz Kunath, würde man von einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung sprechen. Das Konzept beinhaltete über hundert Auflagen. Eine davon lautete, dass man sich eines privaten Dienstleisters bedienen müsse.
Aufregend und anstrengend sei insbesondere die Anfangszeit gewesen. Begleitet von unzähligen Einwohnerversammlungen, bei denen man das neue Gebührenmodell und die neue Struktur der Abwasserentsorgung erklären musste. Auch ist Lutz Kunath sehr häufig Gast in den Sitzungen von Stadt- oder Gemeinderäten und kommunalen Ausschüssen gewesen. „Es war ganz wichtig, endlich einen ausgeglichenen Haushalt aufzustellen.“ Dank Veolia (damals noch unter dem Namen OEWA Wasser und Abwasser GmbH) habe man wirtschaftlich arbeiten können und über das nötige Know-how verfügt. Die Partnerschaft mit Veolia habe sich bewährt, sagt Lutz Kunath. „Die konstruktive Zusammenarbeit und das gemeinsame Arbeiten an Lösungen haben maßgeblich dazu beigetragen, dass wir heute so gut dastehen, dass sich der VVGG so positiv entwickelt hat.“
Unter der Führung von Lutz Kunath ist im VVGG eine Menge passiert. Es wurde zum Beispiel die Niederschlagswassergebühr eingeführt, das Abwasserbeseitigungskonzept umgesetzt und in dem Zusammenhang ein Sonderprogramm mit über 20 Projekten zur Errichtung öffentlicher Gruppenkläranlagen realisiert. „Wir mussten mit allen Grundstückseigentümern individuelle Verträge aushandeln.“ Eine Menge Arbeit. Doch die Aussicht, dass der VVGG die Abwasserentsorgung dadurch insgesamt betrachtet wirtschaftlicher gestalten könne, habe ihn motiviert, nicht locker zu lassen.
„Früher war immer das Abwasser unser Sorgenkind“, sagt der inzwischen ehemalige Verbandsgeschäftsführer. Heute und in Zukunft gehe es vermehrt darum, für eine zuverlässige Trinkwasserversorgung „unsere Ressourcen zu schützen“.
In den vergangenen Jahren kamen mehrere Maßnahmen zur trinkwassertechnischen Erschließung sogenannter Brunnendörfer dazu. Hilfreich und notwendig sei zudem der geschaffene Verbund der Wasserwerke, die alle gemeinsam die Versorgung der Kunden gewährleisten und nicht losgelöst voneinander arbeiten. Viel Geld floss in den Neubau des Wasserwerks Prießnitz – nach Grimma das zweitgrößte im Verbandsgebiet. Bis 2030 erarbeitete der VVGG eine neue Wasserversorgungskonzeption für die Zukunft.
„Für mich war es immer wichtig, gute Arbeit abzuliefern. Ich wollte, dass es läuft.“ Für Lutz Kunath gilt während seiner Zeit an der Spitze des VVGG stets die Maxime: „Zuerst das Dringende, dann das Wichtige.“ Eine Einstellung, die er auch in der aus seiner Sicht „immer guten Zusammenarbeit“ mit der Verbandsversammlung vertritt. Übrigens: Während seiner Amtszeit hat Lutz Kunath mit sieben Verbandsvorsitzenden und ebenso vielen Niederlassungsleitern von OEWA/Veolia zusammengearbeitet.
Kerstin Härtel, seine Nachfolgerin, sei für den Verband „ein Glücksfall“, sagt er und hat dabei „ein gutes Gefühl, dass sie das mit ihrer Fachkenntnis und Erfahrung gut weiterführen wird“.
Solange er seiner Nachfolgerin noch unterstützend zur Seite steht, „fokussiere ich mich auf die Arbeit“. Wie es danach weitergeht, werde sich zeigen. Darüber mache er sich jetzt noch keine Gedanken.
Übrigens, 2004 bescheinigte die Landesdirektion dem anfangs notleidenden Versorgungsverband Grimma-Geithain, dass er gesund ist.
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