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Viren im Visier

Versorgungsverband Grimma-Geithain arbeitet mit einem bei Veolia entwickelten Frühwarnsystem, das schnell verlässliche Daten liefert

Im Landkreis Leipzig sinken die Inzidenzen immer weiter. Doch was ist, wenn eine weitere Corona-Welle auf uns zusteuert? Wie können wir uns in Zukunft vor dem Ausbruch von Pandemien schützen? Und wie gelingt es, noch schneller und gezielter die nötigen Schutzmaßnahmen einzuleiten? Viele Antworten finden sich im Abwasser. Schließlich hinterlässt der Mensch dort viele Spuren, auch Spuren des SARS-CoV-2-Virus. Und dies unabhängig von Testkapazität oder -willigkeit. Veolia hat dazu geforscht und im französischen Netzwerk zur epidemiologischen Abwasser-Beobachtung »Obépine« ein Corona-Frühwarnsystem entwickelt. Damit können das Corona-Virus und seine Mutanten durch Labor-Analysen im Abwasser nachgewiesen werden.

Der Versorgungsverband Grimma-Geithain (VVGG) arbeitet auf der Kläranlage in Grimma bereits mit diesem System und nutzt den technischen Fortschritt. »Wir setzen damit schon heute eine Empfehlung der Europäischen Kommission um, die Abwasserentsorgern rät, regelmäßig das Abwasser auf Coronaviren zu untersuchen”, erklärt VVGG-Geschäftsführer Lutz Kunath.

Grimma ist aktuell eine von neun Kläranlagen in Deutschland, auf denen das Veolia-Verfahren angewendet wird. Analysiert wird das Abwasser der gesamten Bevölkerung aus Grimma. Seit Mai nehmen die Mitarbeiter der Veolia Wasser Deutschland GmbH, dem Betriebsführer des VVGG, regelmäßig einmal pro Woche am Zulauf der Kläranlage eine 24h-Mischprobe, die dann gezielt auf das Corona-Virus und dessen Varianten Alpha, Beta, Gamma und Delta untersucht wird.

Dadurch ist gewährleistet, dass auch infektiöse Menschen, die bisher womöglich keine Symptome zeigen, nicht regelmäßig getestet werden und somit unter Umständen unentdeckt blieben, erfasst werden können. Die vom Robert-Koch-Institut (RKI) täglich gemeldeten Fallzahlen hingegen basieren ausschließlich auf Ergebnissen von PCR-Tests.

Ein großer Vorteil des sogenannten Veolia Corona-Monitors: Die Abwasser-Analysen sind weniger aufwendig und liefern viel schneller Erkenntnisse. »Schon drei Tage nach der Probenahme erhalten wir vom Labor über ein Dashboard detaillierte Informationen darüber, wie hoch die Viruslast im Abwasser ist, sowie ob und in welcher Menge eventuelle Mutanten auftreten«, erläutert Jakob Reif, Bereichsleiter Abwasser bei Veolia. Das heißt zu einem Zeitpunkt, an dem viele Menschen vielleicht noch gar nicht wissen, dass sie infiziert sind. Damit sind die Abwassermessungen den Inzidenzen um Tage voraus.

»In einer Pandemie ist es oftmals entscheidend, dass schnell gehandelt und zügig Schutzmaßnahmen getroffen werden, um die Virus-Ausbreitung eindämmen zu können«, betont Jakob Reif. Gerade wenn die Inzidenzen unter zehn liegen, sei das Frühwarnsystem eine guter Indikator. Dann sei ein Nachweis im Abwasser kaum noch möglich, und ein plötzlicher erneuter Wiederanstieg der Viruslast im Abwasser würde sofort auffallen. Das Abwasser werde immer mehr zum Indikator, um Gesundheitsrisiken frühzeitig zu erkennen und somit schneller handeln zu können.

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